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All diese über ein Jahr gewonnenen Messwerte werden nun in einem Wasserstands-Zeit-Diagramm eingetragen und anschließend alle einzelnen Punkte in zeitlich richtiger Reihenfolge miteinander verbunden (siehe Abb.1b). Als Ergebnis unserer Naturbeobachtung entsteht also letztendlich eine Kurve. Sie spiegelt die jahreszeitlichen Veränderungen des Wasserstandes des Flusses wider.
Wie eingangs erwähnt, werden derartige Messreihen schon seit 100 Jahren an diesem Fluss durchgeführt und statistisch ausgewertet. Um die Statistik des Wasserstandes über derartig lange Zeiträume möglichst übersichtlich darzustellen, wird beispielsweise jeweils der Jahresdurchschnitt des Wasserpegels berechnet und in einem Wasserstands-Zeit-Diagramm aufgetragen. Da die Wetterlage Jahr für Jahr nicht identisch ist, wird auch die Wasserführung dieses Flusses Abweichungen aufweisen, also eine Kurve in dem Diagramm entstehen.
Gehen wir aufmerksam entlang der Uferpromenade jener Stadt, so entdecken wir mitunter an alten Gemäuern historische Wasserstandsmarken, die mit Jahreszahlen versehen sind, die weiter als 100 Jahre zurückreichen. Diese Wasserstandsmarken zeugen von mächtigen Überflutungen. Mit solchen Zeugnissen über extreme Wasserhochstände lassen sich Wasserpegel-Statistiken über noch größere Zeiträume erstellen.
Im Grunde genommen erfolgt die Bestimmung einer Meeresspiegel-Kurve ganz ähnlich. Geologen untersuchen zu diesem Zwecke solche Gesteine, die über geologische Zeiträume hinweg die Geschichte des Wasserpegels für einen bestimmten Ort erzählen können, also die datierbaren "versteinerten Wasserstandsmarken" des Meeresspiegels. Als Archiv geologischer Wasserstandsmarken dürfen generell Sedimentgesteine angesehen werden. Aus ihnen lässt sich a) der Zeitpunkt ihrer Bildung und b) der Meeresspiegelstand zum Zeitpunkt ihrer Bildung ermitteln:
a) Leit-Fossilien zeigen den erdgeschichtlichen Entstehungszeitpunkt des Gesteins an.
b) Die Sedimentgesteinsart (z.B. Kalkstein, Tonstein, Sandstein), Sedimentstrukturen (z.B. fossile Wellenrippeln oder Regentropfenmarken) sowie der Mineral- und Fossilinhalt geben Auskunft über die Beschaffenheit des Ablagerungsraumes und der dort wirksamen Naturkräfte (= Fazies).
Um für einen bestimmten Ort und geologischen Zeitabschnitt die Meeresspiegel-Kurve zu ermitteln, gehen Geologen folgendermaßen vor: Zunächst suchen sie in einem festgelegten Arbeitsgebiet nach einem Ort, an dem Sedimentgesteine zutage treten; es fehlen also sowohl Bodenbedeckung als auch Pflanzenbewuchs. Diese Voraussetzungen erfüllen z.B. eine Tongrube, ein Steinbruch oder eine natürliche Felswand. Hier wird nun Schicht für Schicht untersucht und dokumentiert: Von jeder einzelnen Schicht die Mächtgkeit, Gesteinsart (z.B. Kalkstein, Tonstein, Sandstein), Sedimentstrukturen, Farbe sowie der Mineral- und Fossilinhalt (siehe Abb. 2a). (interner Link zu Abbildung "Beispiel für die Rekonstruktion von Meeresspiegelkurven") |